Indiepop auf ungewöhnlichen Wegen

28 Jun

Bild: PIAS Recordings

Schon sein Name hebt ihn aus der Masse deutscher Popmusik heraus. Seine Musik sowieso: Die wird von Fans und Kritikern gleichermaßen geliebt. Doch mit seinem ersten Live-Album betritt Gisbert zu Knyphausen Neuland. Er wagt, was sich vor ihm noch kein deutscher Künstler getraut hat.

Für sein neustes Werk hat Gisbert zu Knyphausen einen ungewöhnlichen Vertriebsweg gewählt: Er veröffentlicht „live @ fliegende bauten“ exklusiv als CD-Beilage in der aktuellen Ausgabe des Musikmagazins „Rolling Stone“. Den Mitschnitt eines Konzertes in Hamburg aus dem vergangenen Jahr ist ohne Aufpreis erhältlich. Doch nicht nur deshalb wird sich die Mai-Ausgabe des Musikmagazins wahrscheinlich in Windeseile verkaufen.

Der Shootingstar der deutschen Indiepop-Szene

Denn der 30 Jahre alte zu Knyphausen ist innerhalb kürzester Zeit zum Shootingstar der deutschen Indiepop-Szene avanciert. Seine sparsam arrangierten Popsongs bewegen sich irgendwo zwischen dem Britpop von Tomte und den melancholischen Chansons von Element of Crime. Und mit seinen direkten, teils autobiografischen Texten, trifft der Wahlhamburger anscheinend den Nerv der Zeit. Sein im vergangenen Jahr erschienenes und nach ihm benanntes Debüt-Album wurde mit Lob überschüttet – sei es in Musikmagazinen oder in den Feuilletons deutscher Tageszeitungen. Mit ihm dürfe deutscher Pop wieder lyrisch sein, titelte zum Beispiel die „Welt“. Die „Süddeutsche Zeitung“ rief ihn sogar schon 2007 zum „interessantesten ungesignten Songwriter der Nation“ aus. Dass er derzeit „Everybody’s Darling“ ist, freut ihn: „Ich finde es schön, wenn es so unterschiedliche Menschen anspricht, wie das momentan der Fall ist.“

2005 begann er seine eigenen Lieder zu spielen

Dabei hat der aus dem hessischen Rheingau stammende zu Knyphausen laut eigener Aussage erst 2005 sein erstes deutschsprachiges Lied geschrieben. Vorher hatte er bloß in einigen regional bekannten Bands gespielt. „Ich hatte einfach mal Lust meine eigenen Lieder zu spielen und sie zum Teil auch alleine aufzunehmen“, erklärt zu Knyphausen die Anfänge seiner Songwriter-Karriere. Er spielte sie ein paar Freunden vor, die fanden die Songs gut – also machte er weiter. Die ersten Konzerte folgten, 2006 erschien seine erste EP, im vergangenen Jahr dann sein Debüt-Album, das er zum Teil mit Band einspielte. Seitdem tritt er mal alleine, mal in kompletter Bandbesetzung auf. Er beziehe sich mit seiner Musik nicht auf die ältere deutsche Liedermacherszene, sondern sehe sich mehr in einer Songwriter-Tradition englischsprachiger Künstler wie Conor Oberst, Bob Dylan oder Tom Waits, sagt zu Knyphausen. Auf dem jetzt erschienenen, „kostenfreien“ Live-Album tendiert er wieder zum klassischen Songwriter, der auf der CD nur von einer zweiten Akustikgitarre begleitet wird.

Zu Knyphausen soll bekannter werden

Seine Plattenfirma will mit der CD-Beilage vor allem zu Knyphausens Bekanntheitsgrad steigern. „Es ging uns darum, den Künstler einfach einer noch größeren Klientel nahe zu bringen“, sagt Stefan Strüver von Pias Recordings. „Und wir hoffen natürlich, dass der ein oder andere auch noch auf das Debüt-Album aufmerksam wird, beziehungsweise sich Gisbert zu Knyphausen mal live ansieht.“ Die Live-CD ist nicht das erste Album eines Künstlers, das dem „Rolling Stone“ beiliegt. Schon im vergangenen Herbst sorgte die amerikanische Band Lambchop für Aufsehen, als sie ihr aktuelles Album „OH (Ohio)“ eine Woche vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin dem Magazin beilegte.

Das Live-Album gibt es nicht im regulären Handel

Das sei schon eine Inspiration zu der Aktion gewesen, gibt Strüver zu. Aber im Gegensatz zum Lambchop-Album, werde „live @ fliegende bauten“ niemals im regulären Handel erhältlich sein. „Es geht uns als Label nicht darum, mit solch einer Aktion Geld zu verdienen, sondern langfristig einen großartigen Künstler aufzubauen.“ Den „Rolling Stone“ für die Aktion auszuwählen, habe nahe gelegen, da zu Knyphausens Debüt-Album sowohl in den Endjahrescharts der Redaktion als auch bei den Lesern gut weggekommen sei, sagt Strüver. „Als wir dann auch noch sahen, dass das Album die Platte des Jahres eines leitenden ‚Rolling Stone‘ Redakteurs ist, war der Weg frei.“

„Live @ fliegende Bauten“ ist ein gelungenes Album

Anfang 2010 erscheint zu Knyphausens zweites Studio-Album. Und so dürfen sich die Leser des Musikmagazins über ein gelungenes Live-Album in hervorragender Klangqualität freuen. Die CD enthält neun Akustikversionen von seinem Debüt-Album sowie als kleines Bonbon mit „Hurra! Hurra! So nicht!“ sogar ein bisher unveröffentlichtes Lied. Das sollte helfen, seinen Fans die lange Wartezeit zu verkürzen, denn sein nächstes Studio-Album wird erst Anfang nächsten Jahres erscheinen. Dann auch wieder ganz regulär im Plattenladen.

Erschienen am 17.05.2009 auf ARD.de

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