Klangwelten voller Emotionen

16 Sep

miumi

Miumi sind zurzeit vielleicht Wiesbadens außergewöhnlichste und eigenständigste Band. Ihre Musik in Worte zu fassen, die ihrer Kunst gerecht werden, ist wie zu Architektur zu tanzen: wenig Erfolg versprechend. Sie ist zu vielschichtig und bewegt sich jenseits allgemein bekannter Kategorien. Zu wenig in festen Strukturen verhaftet sind auch ihre Lieder: Collagen aus Gitarre, Bass und Schlagzeug, untermalt von elektronischen Beats, Soundfiles und Sprechgesang, die gängige Songschemata ignorieren. Miumi schaffen eigene Klangwelten und lassen eine Flut von Tönen, Bildern und Emotionen auf ihre Hörer los. In der hiesigen Musikpresse werden als Vergleiche immer wieder Bands wie Radiohead, Mogwai oder Sigur Rós genannt, ihre Musik wahlweise als Trip-Hop oder Post-Rock bezeichnet. Wer ist dieses Quartett, das jedem Vergleich standhält, weil es ihm geschickt durch Eigenständigkeit ausweicht?

Miumi sind Simon Hegenberg, Petros Paikos, Manuel Manko und Mario Harlos, vier junge Wiesbadener zwischen 18 und 28. Gegründet hat sich das Quartett im Sommer 2006 und schon damals wussten die Vier, dass sie mit ihrer Band etwas Besonderes erschaffen wollten. „Wir haben uns relativ schnell gesagt, Miumi soll auf einem anderen Niveau stattfinden. Nicht als das typische Band-Ding mit den Personen im Vordergrund, sondern das Gesamtkunstwerk“, erzählt Hegenberg, der Gitarre und Synthesizer spielt. Miumi suchen deshalb konsequent die Verbindung zwischen Musik und Film: Bei Konzerten läuft immer ein von Hegenberg gedrehter Film im Hintergrund. „Wir hatten aber auch schon Konzerte, wo wir aus technischen Gründen den Film nicht laufen lassen konnten und es hat aber auch so funktioniert“, ergänzt Bassist Manko.

Ihre Individualität beweisen Miumi auch in der Erwartungshaltung an ihr Publikum. „Ich habe keinen Bock darauf, dass Leute sagen `Ihr seid supergeil´, sondern lieber darauf, dass Leute zum Nachdenken animiert werden und sich zumindest für die Dauer eines Konzerts aus ihrem persönlichen Denken holen lassen“, betont Hegenberg. Ähnlich komplex wie ihre Lieder ist auch deren Entstehungsprozess, erklärt Manko: „Es beginnt eigentlich immer damit, dass irgendwer mit einem Beat in den Proberaum kommt. Dann wird vielleicht gejammt und rumprobiert und plötzlich hat einer von uns eine Idee. Langsam baut sich das Lied auf, dann meckert ein anderer und wir probieren, verwerfen, rekonstruieren so lange, bis es allen gefällt.“

Fünf dieser so entstandenen Lieder haben Miumi 2006 auf ihrer Debüt-CD „Blips“ veröffentlicht. Die Akribie, mit der sie an ihren Liedern feilen, zeigt sich auch bei der Gestaltung der CD: Diese gleicht mehr einem kleinen Buch als einer normalen CD. „Die Verpackung haben wir komplett selbst gebastelt. Es ist uns wichtig, dass unsere CD gut aussieht“, sagt Manko. Für die Veröffentlichung haben sie sich bewusst keine Plattenfirma gesucht. „Wir wollen unabhängig bleiben und mit Menschen zusammenarbeiten, die an unsere Musik glauben und denen es dabei nicht vordergründig ums Geld geht“, erklärt er. Und Hegenberg fügt hinzu: „Wir können nicht den Anspruch haben, Kunst zu machen, nur um dann in die Tretmühle des Musikgeschäfts zu kommen.“

Ursprünglich am 5. Dezember 2008 im Wiesbadener Kurier erschienen.

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