Great American Jukebox

26 Okt

Elvis Costello ist zurück. „National Ransom“ gleicht einer musikalischen Zeitreise vom „Schwarzen Freitag“ bis zum Bailout des neuen Jahrtausends. Leider geht Costello dabei etwas überambitoniert vor.

Je älter Elvis Costello wird, desto mehr gleicht sein musikalisches Werk dem „Great American Songbook.“ Galt der Brite Ende der 1970er Jahre am Anfang seiner Karriere noch als „Buddy Holly des New Wave“, reicht eine Schublade längst nicht mehr aus, um Costello zu kategorisieren. Ob Country, Blues, Rock, Swing, Jazz oder gar Kammermusik, Costello hat mindestens eine Platte im Gepäck, auf der sich diesen Stilen gewidmet hat.

Musikalische Zeitreise

Diese Vielfalt spiegelt sich auch auf seinem neuen Album „National Ransom“ wieder, das einer musikalischen Zeitreise durch das Amerika des 20. Jahrhunderts gleicht. So folgt auf den Opener und Titelsong, ein recht gewöhnlicher Rocksong, gleich mit „Jimmy standing in the Rain“ der stärkste Song des Albums – eine bezaubernde Loserballade im Vaudeville-Stil. Das ruhige „Stations of the Cross“ und die düstere, orchestrale Ballade „Church Underground“ werden von Piano und Streichern getragen. „A Slow Drag with Josephine“ oder „All these Strangers“ sind feinsinnige Crooner, die heiße Kandidaten auf den Frank-Sinatra-Gedächtnispreis verdient hätten. Und mit „I lose you“ und „Five Small Words“ hat Costello auch wieder zwei gelungene Countrysongs im Gepäck. Fast immer handeln die Songs von Depression, Verlust, Versagen und Krise: Vom Schwarzen Freitag zum Bailout des neuen Jahrtausends.

Geballte Ansammlung an Talent

Produziert wurde diese American Jukebox wie schon sein Vorgänger „Secret, Profane & Sugarcrane“ von T-Bone Burnett, mit dem Costello schon in den 1980ern seine Erfolgsalben „King of America“ und „Spike“ aufgenommen hatte. Auch bei den Musikern trifft man mit den Sugarcranes und den Imposters auf alte Bekannte aus Costellos Karriere. Mit Vince Gill, Marc Ribot, Buddy Miller, Leon Russell und Darrell Leonard findet sich zudem eine beachtliche Zahl an Gastmusikern auf „National Ransom“.

Vorhersehbare Arbeit eines Musterschülers

Keine Frage, dass bei dieser geballte Ansammlung an Talent, jeder einzelnen Song perfekt arrangiert ist. Das ist dann auch der einzige Kritikpunkt, den man Costello machen kann: Bisweilen wirkt „National Ransom“ wie die durchgeplante Arbeit eines strebsamen Musterschülers, der seinen Idolen bis ins kleinste Detail gleichen will. Das macht die Lieder leider etwas vorhersehbar und lässt sie zu einer – wenn auch guten – Zitatsammlung verkommen.

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