FEHLFARBEN – Xenophonie LP/CD

9 Jul

Bild: Julia HoppenSkeptisch, zwingend, grandios – Fehlfarben melden sich mit „Xenophonie“ zurück und begeistern auf voller Länge!

Peter Hein hadert mit „Monarchie und Alltag“ und beschwert sich auf „Xenophonie“, dem neuen Album der Fehlfarben, vom „Frühwerk am Hals wie ein Mühlstein.“ Das ist einerseits verständlich, den schließlich kommt kein Artikel, kein Bericht, keine Plattenrezension ohne Verweis auf dieses Jahrhundertalbum aus. Und immer nur auf ein Album reduziert zu werden, nervt, obwohl die Band in ihrem mehr als 30-jährigem Bestehen zahlreiche gute Alben veröffentlicht hat, zum Beispiel die beiden Alben „33 Tage in Ketten“ und „Glut und Asche“, die die Fehlfarben nach dem Ausstieg Peter Heins in den frühen 80ern veröffentlichte. Zwei tolle Alben, die heute leider kaum noch beachtet werden. Da ist es verständlich, dass die Band keine Lust mehr hat, dauernd auf „Monarchie und Alltag“ angesprochen zu werden. Andererseits würde sich ohne „Monarchie und Alltag“ wahrscheinlich niemand mehr für die Band interessieren und „Xenophonie“ wäre nie erschienen, was äußerst schade wäre. Denn auf „Xenophonie“ präsentieren sich Peter Hein, Saskia von Klitzing, Pyrolator, Frank Fenstermacher, Uwe Jahnke und Michael Kemner in Bestform. „Glücksmaschinen“, ihr letztes Album aus dem Jahr 2009, war schon großartig, aber „Xenophonie“ toppt das nochmals. Fehlfarben 2012 klingen frisch, auf der Höhe der Zeit und niemand grantelt so schön bissig und gleichermaßen lässig wie Peter Hein.

Der Opener „Dekade 2“ ist grandios und so geht es weiter. „Lang genug“ ist Heins kleiner, sarkastischer Rückblick über das eigene Schaffen: „Ich muss doch schon lang nicht mehr probieren die Lage, wie sie ist, zu kommentieren. Ich hab doch lang genug gelebt vom Kopieren, um jetzt noch den Durchblick zu verlieren“, singt Hein, nur um dann glücklicherweise doch zu kommentieren. Zum Beispiel bei „Bundesagentur“, bei dem Hein schreit: „Bundesagentur, ihr seid ARGE Scheiße!“ Oder bei „Glauberei“, das gegen Religion allgemein und Islamisten speziell ätzt: „Von allen Glaubern, die man hören kann / Sind am lautesten die mit Bärten dran / Denn darum gehts doch bei der Glauberei / Dass der eine lauter als der andere sei“.

Hein fühlt sich sichtlich wohl im Widerspruch („Der Widerspruch/ tut jedem Leben gut./ Im Widerspruch/ lebt es sich noch mal so gut“ in „Richtig Ins Falsch (NFS)) Und das merkt man dem Album an. Die Analog-Synthies sind dieses Mal etwas präsenter als noch auf Glücksmaschinen, was keine schlechte Entscheidung war. Höhe- und zugleich Schlusspunkt von „Xenophonie“ ist das zehnminütige „Herbstwind“, einem unglaublich dichten, ausufernden, atmosphärischen Song. „Xenophonie“ ist ein großartiges, relevantes Album, auf dem sich die Fehlfarben so gut präsentieren, wie wahrscheinlich seit den Anfangstagen der Band nicht mehr.

„Xenophonie“ ist bei Tapete erschienen

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