FALK FATAL STEHT FRAGEND VOR DEM KLEIDERSCHRANK

31 Aug

Mode an sich bedeutet mir nichts. Ist doch egal, mit was jemand seinen Körper bedeckt. Ob Seide, Baumwolle, Polyester, ob eng geschnitten, sackförmig, in grellen Farben oder schlicht in Schwarz. Ich beurteile Menschen doch nicht nach ihrer Kleidung. Auf die inneren Werte kommt es schließlich an. Und so handhabe ich das auch. Hauptsache die Kleidung erfüllt ihren Zweck. Im Winter soll ich nicht frieren, im Sommer nicht unnötig schwitzen. Wie das aussieht, wie das auf meine Mitmenschen wirkt? Kümmert mich nicht. Das rede ich mir gerne ein. Aber das ist natürlich Quatsch.

Oft genug stehe ich vor meinem Kleiderschrank und grüble, was ich anziehen soll. T-Shirt oder doch lieber Hemd? Oder vielleicht einen Pulli? Und wenn ich mich dann grundsätzlich entschieden habe, welches Hemd darf es denn sein? Das Schwarze? Das Weiße? Oder doch lieber das Rote, das ich mit der Spraydose verschönert habe? Oder mal ein T-Shirt? Ohne Aufdruck oder doch mit Bandschriftzug? Und welche Band soll es heute sein? Vielleicht das 15 Jahre alte, verwaschene Shirt mit Hass-Schriftzug, dass mich auf dem Punkkonzert als alten Hasen dastehen lässt oder doch lieber das weiße Turbostaat-Shirt, mit dem ich auch auf der Popper-Party eine gute Figur mache? Und wenn das geklärt ist, geht es weiter. Sakko oder Lederjacke? Schwarze oder Bluejeans? Es ist zum Haareraufen. Ich bin eitler als ich mir zugestehen möchte.

Kleider machen Leute. Und der erste Eindruck kann über das weitere Wohl und Wehe eines Abends entscheiden. Trägt jemand ein Shirt der Böhsen Onkelz, will ich mit ihm oder ihr nichts zu tun haben. Jemand, der einen Hüsker-Dü-Schriftzug am Leibe trägt, ist mir gleich sympathisch. Und natürlich will ich einen guten Eindruck hinterlassen.

Mode ist immer ein Statement. Mode steckt voller Codes. Mode dient der Abgrenzung. Welcher Szene jemand angehören will oder nicht. Welche Modeblogs mit Eifer gelesen werden und welche er ignoriert. Bei welchem Händler man einkauft. Bei H&M oder doch eher beim Designer?

Mode provoziert. Das stellte ich zum ersten Mal im zarten Alter von 15 fest. Als meine Mutter ein T-Shirt verschwinden ließ, das sich über unseren alten Bundeskanzler Helmut Kohl lustig machte. Und danach immer mal wieder, wenn sich jemand durch mein Äußeres auf den Schlips getreten fühlte und meinte, mir das kundzutun. Ganz zu schweigen von der Häme, die wirklich exaltierte Typen, wie zum Beispiel Harald Glööckler, auf sich ziehen. Und Mode ist manchmal mehr Schein als Sein. Zieh dem pickligen Jüngling seine Discounterklamotten aus und steck ihn in einen coolen Designerdress: Plötzlich mutiert er zum angesagten Szenehengst. Mal schauen, was mein Kleiderschrank noch so hergibt.

falkfatal.posterous.com

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